Herz
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Nachtgedankenlabyrinth.

Das Feuerzeug leuchtete auf, ein kurzes Glimmen, ein tiefer Zug…und sie hatte endlich genau das, worauf sie schon die ganze Zeit gewartet hatte.
Wie schön eine Zigarette sein kann, weiß nur, wer stundenlang dazu gezwungen ist, auf sie zu verzichten.

Schon während sie die Stufen der U-Bahnstation nach oben lief, merkte sie, dass ihre Füße sie nicht nach Hause tragen wollten. Noch nicht.
Sie wollten lieber einen Umweg gehen, vielleicht, weil sie stundenlang eher still halten und auf „Auslauf“ harren mussten, vielleicht aber auch, weil es so viele neue Wege gab, die sie noch nicht kannten.
Die Straßen ihres neuen Viertels lagen fremd vor ihr, mal verwinkelt, mal gerade..und so einladend, dass ihr Weg einmal nicht gleich zur Wohnung führte.
Vorbei an fremden Häusern und Menschen, mitten durch Gespräche, deren Wortfetzen der Sprecher bei ihrem Vorbeikommen wie kleine Seifenblasen in der Luft hingen und an ihren Ohren zerschellten. Fremde Stimmen aus fremden Kehlen, Gerüche aus Küchenfenster oder den kleinen Bars und Cafés an den Straßenecken..all das sog sie förmlich in sich auf, wie ein Schwamm.
Sie hatte ihren iPod schon längst ausgeschaltet und staunte dabei ein bisschen über sich selbst..denn normalerweise lief sie keine 2m ohne Musik in ihren Ohren.
Doch so hatten ihre Gedanken Freigang, konnten sich stärker entfalten und wieder Kopf und Herz zum bersten füllen.

Wenn jetzt alles neu beginnt, alles einen neuen Anfang hat..war sie es dann auch? Sie selbst? Etwas neues, ein Anfang..für andere Menschen? Für ihn?
Eine Möglichkeit, ein neuer Weg?
Wie gerne würde sie ihn das einfach fragen.. .

Was, wenn sie für ihn genau das sein könnte, was sie selbst am meisten braucht?
Ein Zuhause.
Eine Schulter, zum anlehnen.
Ein Hand, die festhält wenn es wichtig ist. Und loslässt, wenn es muss.
Ein Ohr, das zuhört.
Ein Auge, das weitersieht.
Ein Herz, das versteht.

Sein erster Schritt in eine neue, unbekannte, fremde Richtung…die mit jedem weiteren, ein Stückchen vertrauter wird und an „Gefahr“ verliert.
Sein Mut, den er vor langer Zeit verloren zu haben scheint…und den sie sich selbst so hart erkämpfen musste. Vielleicht würde er für sie beide reichen. Vielleicht würde er sie beide näher zu dem bringen, wonach sie sich so sehnen…und endlich von dem entfernen, wovor sie sich fürchten.

Die Straße, in die sie jetzt bog, schien ihr seltsam vertraut, obwohl sie noch nie an ihr entlanglief. Niemals zuvor ging sie vorbei an diesen Häusern, niemals zuvor sah sie diese Menschen.
Doch trotz allem fühlte sie sich seltsam wohl.
So, wie bei ihm.
Kennt sie ihn eigentlich wirklich? Nein. Wird sie es jemals tun? Wer weiß.
Und doch ist seine Nähe immer wie ein Stück „Zuhause“. Ein bisschen Heimat. Ein bisschen ankommen. Aber niemals ganz… .
Nicht, solange sie warten muss. Und vor allem nicht, solange sie nicht einmal genau weiß, auf was.

Sie will und wird nicht mehr warten.
Nicht darauf, dass vielleicht doch noch Zeichen geschehen. Oder gar Wunder.
Will und wird keine Sekunde mehr im „Was wäre wenn?“ verschwenden und sich darin verlieren.

Denn ihre Wunder…macht sie jetzt selbst.

2 Kommentare

    • Wunderschöne Worte, und so wahr..

      Meine …Frau…(eigentlich Freundin, aber doch so viel mehr) zieht jetzt zu mir, in eine fremde Stadt.
      Ich hoffe dass diese Stadt, mit all ihren Macken, aber auch all ihren schönen Ecken, dass ich selbst all das und noch mehr für sie sein kann. Und ich hoffe, dass wir endlich ankommen können. Wir alle.

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