Herz, Wunder
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Einhundertdreiundachtzig.

Ein Dezembernachmittag, wie er im Buche steht.
Kalt, nass und eingehüllt in eine Dunkelheit, die sich wie eine Decke über den eigentlich noch jungen Tag legt.
Sie mochte das.
Und besonders ihren Heimweg nach der Arbeit, den sie immer zu Fuß ging.
Warum sich in die total überfüllte Ubahn quetschen, warum sich in einen Dunstnebel aus „Döner mit alles und scharf“, Billigdeo und Feierabendschweiß begeben? Wäre sie trainierte Apnoe-Taucherin, hätte sie ja Übung im Luftanhalten..aber so? Nein, danke.

Die nasse Allee unter ihren Füßen glitzerte in den Scheinwerfern der vielen Autos, die schier endlos auf und ab zu fahren schienen. Aufgereiht wie auf eine Perlenkette, eins nach dem anderen.
Aber sie nahm sie gar nicht richtig wahr, die Musik in ihren Ohren entführte sie und machte aus dem nassen Asphalt einen Wunderweg, direkt zu ihrer Wohnung.

183.
War es tatsächlich schon 183 Tage her, als sie am Bahnsteig stand..nervös und innerlich zitternd wie Espenlaub?
Gespannt auf das, was der Zug ihr gleich bringen würde..und vor allem: wen?
Die Zeit verging wie im Flug, 6 Monate wie ein Wimpernschlag.
Ihre Gedanke flogen zurück zu diesem Tag und vor ihren Augen spielte sich alles noch einmal ganz genauso ab, als wäre es gestern gewesen.
Das erste, was sie damals sah, war sein Lächeln.
Dann den ganzen Menschen.
Wie damals spürte sie jetzt seine Umarmung und das kleine Hüpfen ihres Herzens.
Arm in Arm standen sie auf dem Bahnsteig, zwei Seeen die sich eigentlich noch fremd waren..aber gleichzeitig schon so vertraut, als hätten sie ein ganzes Leben miteinander verbracht.

Sie schmunzelt ein bisschen, als sie bemerkt, wie kitschig das doch klingt. Aber das Kopfkino läuft weiter… .
Zurück in die Zeit vor diesem Tag.
War sie nicht die, die sich eigentlich auf nichts neues einlassen wollte?
Die eigentlich die Schnauze voll hatte von diesem ganzen Gefühlskram?
Die eigentlich „allein“ (nicht einsam) war und das auch bleiben wollte?
Ja.
Eigentlich.

Doch erstens kommt immer alles anders, als man zweites denkt..und drittens mochte sie das Wort „eigentlich“ sowieso nie.
Er tauchte plötzlich in ihrem Leben auf, hüpfte in ihre Welt und riss dabei Farbeimer um, von denen sie dachte, dass sie längst eingetrocknet wären.
Mit bunten Fußtappsen stolpert er nun durch ihre Gedanken, ihr tägliches Leben, ihr Herz…und nichts könnte besser sein.
Nichts könnte sie glücklicher machen, als zu wissen, dass es kein Lösungsmittel für diese Farbe gibt.

Egal was ihr in diesen Monaten passierte, er war da.
Egal was ihm in diesen Monaten passierte, sie war da.
Verbunden durch ein Gefühl, dass selbst die 300km zwischen ihnen in einen Katzensprung verwandelt.
Sollte das etwa tatsächlich und endlich dieses „Glück“ sein, nach dem immer alle suchen….?

Sie steckt den Wohnungsschlüssel ins Schloss, hört, schon während sie ihn umdreht, das Telefon klingeln und weiß….

…sie ist angekommen.

2 Kommentare

  1. schön, dass du das glück gefunden hast!!!!!!
    liest sich sooooo schön … ich will mehr davon! looos schnapp dir stift und papier … 😀
    :****

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